Backstage-Bericht vom Dreh: Shopping Queen to be?!

Irgendwie war es eine fixe Idee. Einfach mal was Verrücktes machen. Andere schneiden sich die Haare ab, kündigen ihren Job und gehen auf Weltreise. Ich habe eben bei Shopping Queen mitgemacht. Wie mein erster und vermutlich letzter TV-Auftritt verlief, erfahrt ihr hier.

Bewerbung

Was im Fernsehen so easy scheint ist in der Vorbereitung ein riesen Akt. Die Bewerbung war fast aufwendiger als ein Assesmentcenter. Nur dabei springt kein neuer Job heraus, sondern vier Stunden Shopping für Guido Maria Kretschmer. Zunächst meldet man sich über das Onlineformular an. Jeder ab 18 Jahre kann mitmachen, wobei die Chancen für männliche Bewerber sowie Damen über 35 Jahren weitaus höher stehen. Ob hier eine Korrelation zwischen Alter, Geschlecht und Vernunft sich für derartige Formate hinzugeben besteht, sei mal so dahin gestellt. Das Bewerbungsformular ist nicht für Datenschützer. Neben Kontaktdaten werden Größe, Gewicht und Beziehungsstatus sowie Anzahl möglicher Sprösslinge abgefragt. Plus Portrait- und Ganzkörperfoto.

Kommt man hier eine Runde weiter, folgt ein weiterer Fragebogen. Zweiseitig, auf dem man u.a. seinen eigen Stil in Worte fassen oder sein lustigstes Shoppingerlebnis erläuten soll. Vermutlich möchte man schon hier Kandidaten aussortieren, die später vor der Kamera nichts zu erzählen haben oder aber der Aufwand soll diejenigen abschrecken, die es dann doch nicht so ernst meinen. Seine Modebegeisterung darf man zusätzlich anhand von Fotos beweisen: wieder Portrait- und Ganzkörperfoto, aber auch eins mit dem aktuellen Lieblingsoutfit, dem geöffnete Kleiderschrank sowie das Lieblingszimmer der eigenen Wohnung. Ein Wochenende Aufräumen meines Ankleidzimmer für das Foto später hatte ich alle Fotos zusammen und freute mich wahnsinnig als man mir telefonisch mitteilte, dass man an mir als Kandidatin interessiert sei.

Es folgte ein Live-Casting bei mir zuhause (nochmal Aufräumen…). Die Casterin war ungefähr so alt wie ich und gerade im Umzugsstress vom elterlichen Nest in die erste eigene Wohnung. Neben einer weiteren gefilmten Fragerunde („Welche Menschen magst du?“ – sehr philosophisch), durfte ich auch meine Wohnung und mein favorisiertes Ausgehoutfit präsentieren. Meine potentielle Shoppingbegleitung hätte eigentlich auch dabei sein sollen, wir entschuldigten sie per Handyvideo. Dann war es endlich geschafft. VOX entschied sich für mich und eine der skurrilsten Wochen meines Lebens begann.

Doch vorher gab es noch einiges zu erledigen. Im Fernsehen wirkt es zwar wie ein spontaner Shopping-Trip, in der Realität muss anhand einer Excel-Liste der Shopping-Tag vorbereitet werden. Ohne das Motto zu kennen trägt man hier alle Geschäfte ein, in denen man sich vorstellen könnte einzukaufen. Inklusive Anschrift, Öffnungszeiten und Dingen, die man hier kaufen würde (z.B. Schuhe). Die einzelnen Stores verbindet man dann zu Routen, ein paar Semester Logistikmanagement können also nicht schaden. Stichwort: wo ist der kritische Pfad? 😉 Bei all diesen Läden versucht die Produktionsfirma Drehgenehmigungen einzuholen. Wieviele davon übrigblieben, war dann an meinem Shopping-Tag eine kleiner Schock…

Shopping Queen auf VOX - Beta.She war dabei
Shopping Queen auf VOX – Beta.She war dabei

Der Dreh

Eins möchte ich vorweg nehmen: was im Fernsehen fünfmal 45min sind, sind für Berufstätige 8 Tage Urlaub. Einen Tag vor dem eigentlichen Drehbeginn lernte man den Aufnahmeleiter kennen und drehte die Vorstellungsrunden. Ich war mit meinen Mädels Eislaufen. Die Aufmerksamkeit der Kiddies war nach der „Achtung, hier wird Discoqueen gedreht. Wenn Sie nicht gefilmt werden möchten, verlassen Sie bitte die Eisfläche“-Ansage überragend. Discoqueen??

Am nächsten Tag ging es für mich mit Drehbeginn um 7.30 Uhr morgens (!) los. Der Moment als wir vier im Treppenhaus der ersten Kandidatin standen war wirklich aufregend. Dann ging alles ganz schnell. Im 3min-Takt wurden wir in die erste Wohnung geschickt, wo wir die erste Kandidatin kennen lernten und Guido per Videobotschaft das Motto verkündete. „Oscar-Verleihung – Übertrumpfe die Stars mit deinem Outfit auf dem roten Teppich.“ Und das mit 500 EUR, eine wirkliche Herausforderung.  Nummer 1 ging shoppen und wir durften uns beschnuppern bzw. ihre Wohnung begutachten. Ob die Lack- und Lederklamotten, die wir gaaanz ohne jeglichen Hinweis des Setaufnahmeleiters „fanden“, auch sonst in diesem Schrank hängen bezweifeln wir bis heute. Jedenfalls war es ein sehr seltsames Gefühl in den privaten Dingen fremder Menschen zu schnüffeln. Zu unserer Tätigkeit als Roomraiders kamen ständige Interviews in sämtlichen Konstellationen. Hast du dir die Kandidatinnen so vorgestellt, wie findest du das Motto, was trägt man denn bei den Oscars? Witzigerweise waren wir hier nicht so ganz sprachfähig, woraufhin wir erstmal die Definition von White und Black Tie auswendig lernen mussten. Wurde aber wohl nicht zur Zufriedenheit wiedergegeben, denn in der Ausstrahlung kam nichts davon vor. Zumindest wurde der Bildungsauftrag bei uns erfüllt.

Bei Dreh zu Shopping Queen
Bei Dreh zu Shopping Queen

Später sahen wir dann die erste Kandidatin auf dem Laufsteg wieder. Total gelungen fand keiner von uns das viel zu kleine Outfit, das Guido später mit „ein Bodyshaper würde hier helfen“ kommentierte, aber am ersten Tag traut man sich auch nicht so wirklich schlechte Punkte zu geben. Das ganze bereuten wir schnell als die Kandidatin am nächsten Tag selbstbewusst erklärte, dass sie sich ganz weit vorne sehe. Ist halt am ersten Tag auch relativ leicht der Erste zu sein. 😉 So ging es die Woche weiter: jeden Tag ging eine Dame shoppen, wir verbrachten die Tage in den Wohnungen der anderen und wurden dort mit mindestens 3x Action pro Wohnung machen auf Trap gehalten bzw. interviewt. Was erwartest du heute von der Kandidatin, was wird sie tragen, wie ist ihr Stil? Nach drei Tagen hatte ich etwas Mitleid mit dem sehr netten Produktionsteam. Wie schlimm muss es sein jede Woche ein aufgeregte neue Frauenscharr um sich zu haben und immer wieder die selben Fragen zu stellen. Dann doch lieber Hofberichterstattung von der Jahresversammlung der Imker. An Tag vier hatten wir dann auch langsam etwas Lagekoller und es wurde langsam anstrengend. Doch dann kam der 5. Shopping-Tag, mein Shopping-Tag.

Mein Shopping-Tag

Das ich dafür erneut meine komplette Wohnung aufräumen musste möchte ich jetzt nicht zusätzlich hervorheben, ich sag einfach mal: es war spät am Vorabend und zu früh, als das Kamerateam kam. Wir besprachen kurz wo nicht gedreht werden durfte, man stürzte sich auf die Wiener Würstchen in der Küche (Frühstück muss sein) und dann ging das Abdrehen von Wohnungsführung und Kleiderschrank los. Sehr befremdlich etwas immer wieder vor der Kamera aufzusagen, ich war froh als die anderen Mädels kamen und ich endlich shoppen gehen konnte. Immerhin hatten wir ja einen Auftrag. Dann der Schock im Bus: von den 70 Läden auf meiner Shopping-Liste standen nur noch 5 auf der Liste, in die ich fahren durfte. Alle anderen wurden aussortiert oder haben keine Drehgenehmigung erteilt. Zum Glück war ein Geschäft mit Abendmode dabei, jedoch kein Schuhladen für diesen Anlass. Im Laden angekommen gab es dann auch exakt ein Kleid in meiner Größe, leider etwas zu kurz. Nach viel hin und her mit meiner Shopping-Begleitung haben wir es kürzen lassen – wenn zu kurz, dann absichtlich. Hier merkte man dann auch, wofür die 4 Stunden Zeit eigentlich drauf gehen. Jede Szene muss aus unterschiedlichen Winkel und mit anderen Einstellungen gedreht werden. Also gut überlegen, ob man das Kleid wirklich rauszieht.

Es folgte ein kurzer Abstecher zu Komplott zwecks Schmuckkauf und dann hatte ich noch ganze 25min beim Friseur. Das sind meiner Meinung nach ja die eigentlichen Helden der Sendung, die Zeit- und Geldmangel fast in jeder Folge ausbaden bzw. -waschen müssen. Ich bekam ein wunderschönes Airbrush-Makeup, bei dem das Makeup auf die Haut gesprüht wird. Da die Zeit dann sehr knapp wurde und ich noch mein gekürztes Kleid abholen musste, rannten wir zum Laden zurück. Ohne Strumpfhose und ohne Schuhe, immerhin waren die Nägel frisch lackiert. Auf die letzten Sekunden wurden wir fertig, geschafft.

In der Sendung geht es dann auf dem Laufsteg weiter. In echt geht es erstmal zum Abendessen. Leider zulasten von Haaren und Makeup. Dann zu guter Letzt der Auftritt vor den anderen Kandidatinnen, den man zum Glück vorher ein paar Mal üben durfte. Immerhin steht man nicht jeden Tag auf einem Catwalk mit vier Kameras. Das Feedback war eigentlich sehr positiv, erstaunlich an welchen Details sich manche Frauen aufhalten und wie wenig man sich manchmal untereinander gönnt. Dieser Tag war mit Sicherheit der anstrengendste der ganzen Woche, was war ich froh als ich im Bett war. Aber Spaß hat es gemacht und ich bin nach wie vor zufrieden mit einem Outfit.

Showroom von Guido Maria Kretschmer
Showroom von Guido Maria Kretschmer

Die finale Entscheidung fiel dann zwei Wochen später im Showroom von Guido Maria Kretschmer in Berlin. Es war toll alle Kandidatinnen wiederzusehen. Schade war dagegen, dass hier ein anderes Team dreht, das wir natürlich nicht kannten. Herausforderung: an diesem Tag müssen die Outfits nachgemacht werden, jedoch ohne Hilfe eines Friseurs etc.. Ohne Steckdose in meinem Hotelbadezimmer war das die reinste Katastrophe. Schließlich landeten wir aber doch alle angezogen bei Guido. Die Aufregung war groß, der Tag lang, die Interviews mit den gleichen tiefgründigen Fragen wie jeher… Und dann kam er und redete vor der Kamera mit uns als würde er uns alle gut kennen. Sehr respektvoll, zu jeder Kandidatin etwas sehr persönliches, eine wirklich gute Menschenkenntnis hat er. Er kürte die älteste der Runde zur verdienten Siegerin, ich selbst wurde mit einem Punkt Abstand zweite. Völlig akzeptabel und ein guter Abschluss.

Showroom von Guido Maria Kretschmer
Showroom von Guido Maria Kretschmer

Was von Shopping Queen blieb

Mein eigentlich Highlight waren nicht die Klamotten, die man behalten durfte, sondern die Tatsache, dass Guido Maria Kretschmer sich die Zeit nahm um in mein Prinzessin Lillifee Freundebuch zu schreiben. Eine Doppelseite in silberner Glitzerschrift, die ich heute nur noch unvollständig entziffern kann. Eine sehr nette Geste, über die ich mich wirklich am meisten gefreut habe. Und wer weiß außer mir schon, dass Herr Kretschmer im Zirkus gerne ein Reiter auf einem weißen Schimmel wäre.

Danach flogen wir alle in unseren Alltag zurück. Die Sendung selbst wurde erst 4 Monate später ausgestrahlt und brauchte einige Zuschriften und Passaten mit sich, die einen ansprachen. Mittlerweile bin ich froh, dass der Rummel rum ist. Natürlich denke ich immer noch gerne zurück an diese völlig verrückte Woche, aber bin tatsächlich froh, dass ich nicht mehr über die Outfits anderer auf Kommando mutmaßen muss.

Die nächsten Wochen hielten wir noch rege Kontakt, trafen uns monatlich. Zwei Jahre später habe ich immer noch Kontakt zu der Shopping Queen-Siegerin, mit der ich mich regelmäßig auf einen Nachbesprechungsdrink treffe. Das ist wirklich das Schöne an einer solchen Aktion – ganz unterschiedliche Menschen werden zusammen gebracht, teilen besondere Momente miteinander und manchmal bleibt davon auch etwas für die Zukunft übrig. Daher wäre mein Fazit, dass ich froh bin nicht mehr für Kameras aufräumen zu müssen, es aber eine spannende Erfahrung war, die man nicht bereuen, aber auch nicht unbedingt wiederholen muss. Mein Kleid habe ich seitdem leider nicht mehr tragen könne. Der Anlass fehlte, so oft geht man eben doch nicht zu den Oscars. So gesehen wäre „Schick in Strick“ ein langlebigeres Motto gewesen. Aber ich bin sicher, dass ich es irgendwann mal wieder aus dem Schrank holen darf.

Wenn ihr eure Shopping-Glück versuchen wollt: http://www.constantin-entertainment.de/cms/front_content.php?idart=2248

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