Wie ich in Eriksberg fast zum Vegetarier wurde

Eriksberg ist das größte Wildtierreservat Skandinaviens. Eine faszinierende Autosafari durch den Park führt in den natürlichen Lebensraum von Rehen, Hirschen, Wildschweinen mit Frischlingen, Bisons und Mufflons. Wer das komplette Wildnis-Erlebnissen haben möchte, kann in einem luxeriösen Hotel mitten im Reservat übernachten. Bei so einer Nähe zu den Tieren kann schon mal der Gedanke aufkommen Vegetarier zu werden.

Da uns unser Country-Hotel trotz sehr netten Gastgebers (er war wirklich sehr euphorisch hinsichtlich des schwedischen Landes…) nicht überzeugte und insbesondere bei schlechten Wetter wenig Beschäftigung bot, haben wir spontan unsere Route geändert und sind einen Tag früher abgereist. Roadtripps erfordern manchmal Spontanität. 🙂

Neues Ziel: das Wildtierreservat Eriksberg in der Nähe von Kalmar. Oder besser gesagt das Zuhause von wildlebende Rehen, Hirschen, Bisons, Wildschweinen und Mufflons. All diese Tiere leben auf dem Gelände frei in ihrem natürlichen Lebensraum. Ein berühmter schwedischer Biologe, der Tiere für wesentlich intelligenter als den Menschen hielt und sich sehr für Artenschutz einsetzte, hatte seiner Zeit den „Steinhaufen“ Eriksberg gekauft und seiner Frau geschenkt. Es sollte mal ihr Grab werden – charmantes Geschenk… Heute ist das Reservat nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel für Safaris sondern bietet auch Übernachtungsmöglichkeiten. Obwohl online keine Zimmer mehr verfügbar waren, ergatterten wir telefonisch einen Raum in der Dammvilla. Insgesamt verfügt das Hotel über 5 verschiedene Zimmerkategorien, die jeweils in einer eigenen Villa mitten im Park untergebracht sind. Übernachten kann man hier ab 2.600 SEK – nicht gerade günstig, allerdings beinhaltet der Preis neben Frühstück auch den Zutritt zum Park sowie Einlass in den Spa-Bereich. Hier ein paar erste Eindrücke vom Hotel:

Wir machten uns also auf Safari im Park, der nur mit dem Auto erkundet werden darf. Die Tiere haben keine Angst vor Autos, die nur auf einer vorgegeben Route fahren dürfen, wohl aber vor dem Menschen. Daher darf man nur an drei ausgewiesenen Stellen aussteigen. Zusätzlich zu der Karte, die alle hier lebenden Tiere vorstellt, bekommt man eine CD, die man als Audio-Guide während der Fahrt hört. Auf diese Weise erfährt man die Geschichte von  Eriksberg und lernt seine Bewohner besser kennen. Auf unserer Tour waren trafen wir nur gelegentlich auf andere Gäste. Dafür sahen wir gleich zu Beginn eine große Reh- und eine Kurve weiter eine Mufflonherde, die in der Sonne grasten. Fotos davon folgen. Rehe und Hirsche mit prächtigen Geweihen sahen wir noch öfter. Genauso wie Wildschweine, die mit bis zu acht Frischlingen unterwegs waren. Letztere waren wirklich sehr süß und wuselten völlig unbeeindruckt von den Autos auf dem Safariweg herum. Vielleicht haben sich die Tiere schon so an Fahrzeuge gewöhnt, dass sie die als Teil ihres Lebensraumes ansehen oder denken, dass sie uns im Zoo ansehen. Man weiß es nicht. Jedenfalls war es sehr faszinierend die Tiere ungestört in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. In der Mitte des Reservats findet man außerdem einen riesigen See mit seltenen Seerosen – Monet hätte seine Freude gehabt. Die große Tour dauert etwa eine Stunde, 10 km, die vor dem Hotel enden. Hier meine neuen Freunde, Wildschweine und Hirsche:

Sowie Bisons und der Seerosensee:

Im Hotel wurde es dann etwas skurril. Zimmer und Haupthaus sind wirklich sehr geschmackvoll im Jagdstil eingerichtet. Überall hat man Sicht ins Reservat und kann sogar durch ein Fernglas im Salon die Herden beobachten. Der großzügige Spa besteht aus getrennten Saunen für Damen und Herren, mehreren Whirlpools auf der Terrasse so wie einem Billardtisch. Außerdem gehört ein kleiner Laden zum Park, den ich nahezu rückwärts wieder verlassen musste. Der Grund dafür: in einer Gefriertruhe kann man Fleischwaren unter anderem der Tiere kaufen, die man kurz vorher noch beobachtet hat. Auch das Restaurant serviert nahezu komplett Produkte aus dem Reservat: Burger mit Reh und Hirsch, Entrecote vom Reh, Fische aus den Gewässern… Natürlich ist mir klar, dass die Tiere hier ein schönes Leben haben und Jagd notwendig ist, um den Wildbestand nicht ausufern zu lassen. Sicherlich schmeckt das Fleisch von hier besonders gut, da die Bedingungen der Tiere wesentlicher besser als in der Zucht sind. Aber sich tagsüber die süßen Frischlinge ansehen und sie abends essen, das ging dann doch nicht. Stattdessen gab es einen Cesar Salat mit Hühnchen und Lachs, der eigentlich eine Forelle sein sollte, aber wie uns der Kellner erklärte, sagt man in Schweden Forelle zum Lachs?! Ah ja…  Die haben zwar auch mal gelebt, aber zumindest nicht hier. 😉

Abschließend noch ein paar Eindrücke vom Hotel:

Und dem luxoriösen Spa-Bereich:

Mein persönliches Fazit:

Eriksberg als Ausflugsziel ist großartig, um die Schwedische Flora und Fauna besser kennen zulernen. Je nach Tageszeit entdeckt man hier andere Tiere, die man ganz aus der Nähe beobachten kann. Ein wirklich tolles Erlebnis für Groß und Klein. Auch das Hotel bietet einen sehr hohen Standard und lädt zum Relaxen ein. Kulinarische Wildfreunde kommen im Restaurant voll auf ihre Kosten.Allen anderen mag der Verzehr von Wild nach einem tollen Tag im Park vielleicht genauso befremdlich erscheinen wie mir…

Wer sich ebenfalls mit Wildtieren anfreunden oder diese verzehren möchte:

www.erikspark.nu 

 

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