FROM THE SIDEWALK TO THE CATWALK – Jean Paul Gaultier in der Kunsthalle München

FROM THE SIDEWALK TO THE CATWALK
FROM THE SIDEWALK TO THE CATWALK

Nachdem Karl Lagerfeld bereits eine eigene Ausstellung gewidmed wurde, hat nun auch Jean Paul Gaultier eine bekommen. Allerdings eine Nummer größer. Nicht in der Kunsthalle Bonn wie die Modemethode über Lagerfelds modisches Schaffen, sondern mit Auftackt im Grand Palais in Paris. Nun kann man die die Ausstellung „FROM THE SIDEWALK TO THE CATWALK“ in der Kunsthalle München bestaunen. Noch bis zum 14. Februar 2016 macht Gaultier hier mit über 140 Exponaten Station.

Der Designer Jean Paul Gaultier, der als Enfant terrible der Haute Couture gilt, prägt seit über 40 Jahren die internationale Modeszene. Dabei zeichnet ihn besonders aus, dass er sich nicht an gängigen Schönheitsidealen oder Geschlechterrollen orientiert, die bei ihm völlig verschwimmen. Er bucht Beth Dito als Model, inszeniert die Travestie-Künstlerin Conchita Wurst und designte mehrere Video- und Tourneekostüme für Sängerinnen wie Madonna oder Kylie Minogue. Seine Mode ist dabei stets unabhängig von klassischen Mode-Normen, inspiriert von der Seefahrt, den Großstädten Paris und London sowie vor allem von einer ganz besonderen Frau, seiner Großmutter. Gaultiers Oma war für ihn bereits als Kind eine der schönsten Frauen. Er bewunderte Ihre Eleganz, ihre Federboas, Tüllröckchen und insbesondere ihre Korsagen. Letztere haben den Designer zum Mode machen inspiriert und ziehen sich durch alle seine Kollektionen. Erst haben die Frauen sich jahrelang aus den Miedern gekämpft und nun lassen sie sich die Wäsche freiwillig auf den Körper schneidern.

Sein erste Model war der Teddybär Nana, dem der junge Jean Paul Gaultier künstliche Brüste sowie einen Tellerrock bastelte. Später sollten diese „Brustaufsätze“ Models wie Naomie Campell, Kate Moss oder Linda Evangelista tragen. Die Unterwäsche-Korsage wurde durch ihn nach außen getragen, er versteckte sie nicht länger, sondern macht sie zum Blickfang seiner Kollektionen. Dabei spielt Gaultier mit Erotik, da er Brüste auch gerne mal nur halb oder gar nicht verpackt werden. Oder aber er inszeniert einen Mann mit einer Korsage. Insgesamt kann man sagen, dass Mode für ihn nicht dazu diente sich und seinen Körper zu verstecken, sondern er teilweise mit seinen Kreationen sogar die Körperteile in den Fokus stellt, die normalerweise bedeckt werden. Das „Unterwäsche-Kabinett“ als Teil der Ausstellung ist hierfür der beste Beweis. Dort tragen die Puppen Lack, Leder und Latex oder aber Roben, die das Innere des Körpers nach außen tragen, beispielweise in Form von hautfarbenen Roben mit aufgemalten Adern.

Wem das zu fancy ist, sollte sich im zweiten Raum umsehen, der ganz der Seefahrt gewidmet ist. Für Jean Paul Gaultier übt die Seefahrt eine große Faszination aus, da viele der Figuren zugleich Subjekt und Objekt der Begierde sein können. Besonders Matrosen und Meerjungfrauen haben es dem Designer angetan. Daher auch seine Vorliebe für blau weiße Streifen, die sich in sämtlichen Kollektionen wiederfinden. In diesem Raum werden die schönsten Stücke davon ausgestellt und anhand lebensgroßer Puppen, denen die Gesichter projiziert werden, inszeniert. Die Figuren scheinen sich auf diese Weise tatsächlich zu bewegen, ihre Mimik wirkt realistisch und durch die Geräusche vom Band erscheint es so, als würden sie mit den Zuschauern reden. Dieser Ausstellungspuppen findet man auch noch in anderen Räumen, ein toller Effekt und ein absolutes Highlight der Ausstellung. Auch der Designer selbst wird auf die Art inszeniert und erzählt per Band was Mode für ihn bedeutet und wie er arbeitet. An vielen Exponaten steht zudem was Gaultier selbst über seine Kreation gesagt hat, denn der Designer war im Unterschied zu Lagerfeld auf der Eröffnung von „FROM SIDEWALK TO CATWALK“ anwesend.

Neben der Mode zeigt die Ausstellung auch viele der Möbelstücke, die Gaultier designt hat. Darüber hinaus hat er auch eine eigene Parfumreihe, deren Flacons ebenfalls das Thema Korsagen aufnimmt. Auch diese kann man im Rahmen der Ausstellung bewundern. Sie reihen sich zwischen die Kleider und Multimedia-Präsentationen ein, denn auch hiervon gibt es viele in der Münchener Kunsthalle. Auf Monitoren werden Modenschauen von Gaultier gezeigt, Filme, die ihn inspiriert haben, sowie sein Videoclip, denn er war auch mal als DJ aktiv. Im dritten Raum, der den Pop-Ikonen gewidmet ist, für die Gaultier gearbeitet hat, kann man sich Konzerte und Videoclips von Madonna, Kylie und Co. ansehen, für die er Kostüme geschneidert hat. Auf diese Weise zeigt Gaultier wie viel Einfluss die Pop-Kultur auf die Mode hat, denn traditionellerweise wirken Sängerinnen als modisches Vorbild.

Ein weiteres Highlight stellt die Modeschau im vorletzten Raum dar. Die Besucher können sich vor einen Catwalk setzen, auf dem Puppen maschinell geführt werden. Wie bei einer echten Fashionshow werden so ca. 15 Modelle vorgeführt, die per Ansage kurz aufgerufen werden. Der Zuschauer fühlt sich so wie in Mitten einer Pariser Modenschau, ein kurzes Päuschen lohnt sich unbedingt.

Traditionell wird jede Modenschau mit einem Brautkleid beendet. So auch die Ausstellung von Jean Paul Gaultier. Im letzten Raum findet man daher eine Sammlung seiner schönsten Brautkleider. Auch hier bleibt der Designer sich treu: keine klassischen Brautkleider, sondern Kleider im Stil von Indianern.

Wer einmal richtig in die Welt der Mode eintauchen möchte, sollte also unbedingt nach München kommen. Die Ausstellung zeigt auf abwechslungsreiche Art und Weise die verrückte Welt eines beeindruckenden Designers, seinen Musen und seinen Werken. Auf diese Weise kann man Jean Paul Gaultier ein bisschen besser kennenlernen und natürlich sich im Museumsshop eine Erinnerung an ihn kaufen. 😉 Wer nicht in München ist, aber trotzdem mal reinschnuppern möchte (Fotos dürfen leider nicht veröffentlicht werden), kann sich hier das Video zur Ausstellungseröffnung ansehen: Video zur Ausstellung

Betajungle wünscht viel Spaß beim Lustwandeln und Entdecken!

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