#Heimkommen – was Edeka richtig und die Deutsche Bahn falsch macht

Edeka hat es mal wieder geschafft. Zumindest hinsichtlich Agenda-Setting und Anschlusskommunikation. Nach Fleischfachverkäuferinnen, die grammgenau Wurstwaren abwiegen, und kundigen Verkäufern, die das Schnitzel der dazugehörigen Bauernwiese zuordnen können, wird der aktuelle Weihnachtsspot der Supermarktkette gerade heiß diskutiert. Dieser bringt seine Zuschauer zwar nicht wie üblich zum Lachen, überzeugt aber mit einer hochemotionalen Handlung, die den ein oder anderen sicherlich sentimental werden lässt.

Zu sehen ist ein älterer Mann, der Vorzeige-Großvater, wie ihn vermutlich viele Familien haben. Jedes Weihnachten versucht er die ganze Familie zusammen zu bringen, erntet aber nur Absagen von seinen Sprösslingen, die auf der ganzen Welt verteilt und sehr beschäftigt zu sein scheinen. Vielleicht klappt es ja im kommenden Jahr, verspricht die Tochter. Wahrscheinlich in dem Wissen, dass sie auch dann wieder den Anrufbeantworter mit einer Absage versehen wird. Eine Situation, die vermutlich viele von uns wiedererkennen. Jahr für Jahr feiert der ältere Herr also alleine. Sitzt alleine in seinem frisch gebügelten Hemd am Tisch und sehnt sich nach dem nächsten Familienbesuch.

Edeka-Werbespot #Heimkommen
Edeka-Werbespot #Heimkommen

Doch dieses Jahr wird es anders laufen. Via Trauerkarten erfahren die Nachkommen vom Tod Ihres (Groß-)Vaters und plötzlich geht es doch: die ganze Familie findet sich geschlossen in dem totenstillen Haus des Großvaters wieder. Sie freuen sich über das familiäre Wiedersehen, auch wenn der Anlass natürlich kein schöner ist. Traurig, denk sich der Zuschauer, dass er erst sterben muss, damit alle zu ihm kommen. Schade, scheinen sich auch die Kinder zu denken, dass sie sich vorher nicht die Zeit genommen haben, bevor es zu spät war.

Doch plötzlich geht das Licht an. Freudestrahlend kommt der Großvater um die Ecke, im Hintergrund ist ein beleuchteter Weihnachtsbaum sowie ein gedeckter Tisch zu sehen. Alles ist bereit für ein Weihnachtsfest im Kreis der Familie. Schuldbewusst zuckt er die Achseln und rechtfertigt sich: „Anders hätte ich euch doch nicht zusammen bekommen.“ Vermutlich stimmt das sogar. Dann lacht er und mit ihm seine Familie. Alle scheinen froh zu sein nun doch gekommen zu sein. Schade nur, dass er sich dieses Tricks behelfen musste, aber zumindest hat er seine Lieben nun zum gemeinsamen Weihnachtsfeiern um sich. Ziel erreicht, gewusst wie.

Anschauen könnt ihr euch den Spot hier. Taschentücher bereit halten.

Im Netz wurde der Spot, der am Wochenende erschienen ist, bereits über 26 Millionen Mal geklickt. Schon jetzt kann man die Kampagne damit als Social Media Erfolg bezeichnen. Ob Edeka dadurch mehr Käufer generiert, ist fraglich und lässt sich schwer sagen. Immerhin zielt der Spott nicht drauaf ab. Die Message ist subtiler und geht uns vielleicht gerade deshalb so unter die Haut. Die Macher von Jung van Matt haben es geschafft, dass die sozialen Netzwerke heiß darüber diskutieren. Neben den üblichen Kritikern, scheint Edeka mit der Thematik einen sensiblen Punkt getroffen und diesen in hochemotionaler Weise dargestellt zu haben. Selbst fremdsprachige User kommentieren den Spot damit, dass sie ihn zwar sprachlich nicht verstanden haben, aber die Message trotzdem bei ihnen angekommen ist. Wollen wir Handzeichen machen, wer nach dem Ansehen des Werbespots endlich mal wieder seine Eltern oder Großeltern angerufen hat? Sicherlich einige. Nur weil uns eine Supermarktkette vor Augen führt, dass es auch zu spät sein kann.

Wie erfolgreich der Spot wirklich ist, beweist die Deutsche Bahn. Wenige Tage nach der Veröffentlichung sprangen sie auf den sentimentalen Zug (haha) der Edeka-Heimkommer auf und werben damit, dass man ab 19 EUR bereits auf dem Weg zu seiner Familie sein kann. „Lieber Opa, warte nicht bis sie zu dir kommen“ textet die Deutsche Bahn und wirbt mit einer Fotomontage, die den selben Opa im Bordrestaurant eines Zuges zeigt. Meedia bezeichnet den Twitter-Post sogar als „Werbekidnapping„. Eigentlich eine witzige Idee, aber während Edeka in der Gunst der Zuschauer insbesondere dadurch zu steigen scheint, dass die Supermarktkette eben keinen Call to Action (besser gesagt einen Call to Shop) eingebaut hat, sondern uns rein emotional anzusprechen scheint, wird die Deutsche Bahn dafür in den Sozialen Medien abgestraft. Anders wie die Kommentare unter dem Edeka-Spot, in denen viele User von Tränen in den Augen sprechen, nutzen DB-Kunden das Twitter-Posting als Anlaufstelle um ihren Unmut über Zugverspätungen oder -Überfüllungen bei gleichzeitiger Preissteierungen los zu werden. Uiuiui… das ging wohl nach hinten los. Anfang bemühte sich das Social Media-Team der Bahn noch um eine Bearbeitung der Tweets, mittlerweile scheinen sie sich ihrem Schicksal jedoch ergebe zu haben und antworten einfach gar nicht mehr. Tja, auch das kann eine Wirkung von Werbung sein.

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