Modemethode. Die Lagerfeld-Ausstellung in Bonn

Karl Lagerfeld, eine Ikone unter den Modedesigners, ein Multitalent von Mode über Fotografie, der Besitzer eines Pariser Buchladens für vom Aussterben bedrohte Bücher und von Choupette, der reichsten Katze der Welt. Seit über 60 Jahren prägt Lagerfeld nun schon unser Mode. Dabei erfindet er sich und seine Mode stetig neu. Als erster weltweit renommierter Designer machte er Mode durch seine H&M-Kollektion für die breite Masse erschwinglich. Am meisten bewundere ich Karl Lagerfeld aber für sein niveauvolles Drauflosplappern, immer einen ironisch eloquenten Spruch parat. Einmal habe ich eine komplette Krankenhausnacht damit verbracht seine Interviews online zu schauen. Danach hatte ich zwar kein Datenvolumen mehr, es war aber sehr amüsant.

Es gibt sicherlich viele Gründe Karl Lagerfeld eine Ausstellung zu widmen. Die Bundeskunsthalle in Bonn hat sich dabei jedoch nicht auf den Designer selbst konzentriert, sondern beleuchtet die Entwicklungsgeschichte von vier Labels, die er bis heute maßgeblich mit seiner Arbeit geprägt hat: Chanel, Fendi, Chloé und sein eigenes Label.

Die Ausstellung ist eine Art modischer Lebenslauf Lagerfelds, die mit jenem gelben Mantel beginnt, mit dem Lagerfeld 1955 seinen ersten Modewettbewerb gewinnt. Schon bei diesem ersten bekannten Stück, das die Eintrittskarte in die Pariser Modewelt bedeutete, sieht man die Liebe zum Detail. Von vorne schlicht gehalten, überzeugt der Mantel mit einem tiefen Rückausschnitt und einem zeitlosen Design.

Diese Detailverliebtheit zeigt sich auch im mittleren Ausstellungsbereich, der Lagerfelds Evolution des klassischen Chanel-Kostüms beleuchtet. Die Details sind für den Designer dabei stets Teil des Gesamten. Ein geänderter Knopf führte beispielsweise zu einer Modernisierung des gesamten Kostüms und zeigt wie Karl klassische Formen neu interpretiert und belebt. Außerdem arbeitet Karl bei den Chanel-Kostümen gerne mit Schleifen (I like!) und führte – wie schon bei Fendi – das Markenzeichen, die zwei Cs ein. Diese hatte er zuvor als royales Zeichen in einem Schloss entdeckt.

Das Besondere an Modemethode sind neben den 120 ausgestellten Looks, die man sonst nur von der Fashion Week oder aus der Vouge kennt, sicherlich die vielen Skizzen aus den Archiven der vier Labels. Alle Zeichnungen wurden in Mode umgesetzt. Von Prêt-à-porter über Haut-Couture. Lagerfeld benutzt dafür nur eine Sorte Papier, produziert am Tegernsee. Dieses Papier bildet im letzten Ausstellungsraum eine Art Kuppel. Ein bisschen fühlt man sich wie im Pariser Grand Palais, in dem die jährlichen Chanel-Schauen stattfinden. Hier ist u.a. Lagerfelds berühmtes Umstandsmoden-Brautkleid sowie das wirklich bezaubernde rosé Kleid zu finden, das Nicole Kidman in einem der Chanel-Spots trägt. Für mich das absolute Highlight der Ausstellung. Hier der bezaubernde Spot zum Kleid:

https://m.youtube.com/watch?v=wWA0WwrJYgU

Wenngleich Karl Lagerfeld die Ausstellung weder geplant noch besucht hat, spürt man seine Kreativität überall. Einem der nächtlichen Interviews zufolge hat er auch nicht vor jemals nach Bonn zu kommen. Man solle lieber in der Gegenwart leben, statt sich für die Vergangenheit zu feiern. Der Karl… Kuratiert wurde Modemethode jedoch von Lady Amanda Harlech, einer der engsten Vertrauten von Lagerfeld. Vielleicht kommt daher die persönliche Note, die sich in dem originalen Schreibtisch inklusive überfüllten Mülleimer mit Skizzen, der vom Designer für Schauen ausgesuchten Musik sowie den Statements an der Wand zeigt.

Ein Besuch lohnt sich und mit einer der Führungen, die jeden Sonntag sogar für Kinder stattfinden, können auch weniger Modebewanderte viel erleben. Hier kann man beispielsweise lernen, dass die berühmte Baguette Tasche von Chanel nicht aufgrund ihrer Form so heißt, sondern weil man sie sich unter den Arm klemmen kann. Leider ist Fotografieren nicht erlaubt. Jedoch kann man für 8 EUR eine Sonderedition der Vouge kaufen, die den Katalog der Ausstellung darstellt. Sie ist nur im Buchladen des Museums erhältlich und sicherlich auch eine gute Geldanlage. 😉

Extraausgabe der Vouge zur Modemethode-Austellung von Karl Lagerfeld

Wer jetzt neugierig geworden ist, bis zum 15. September könnt ihr „Karl“ noch in Bonn besuchen:

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH
Museumsmeile Bonn
Friedrich-Ebert-Allee 4
53113 Bonn
Eintritt ab 6,50 EUR

http://www.bundeskunsthalle.de/ausstellungen/karl-lagerfeld.html

Öffentliche Führungen
Mittwochs, 17–18 Uhr
Sonn- und feiertags, 13–14 Uhr
3 €/ermäßigt 1,50 € zzgl. Eintritt

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