Starlight Express: Ein Musical-Überzeugungsversuch.

Birkenstock und Musicals – es gibt Dinge, an denen sich die Geister scheiden. Entweder man mag sie oder man verabscheut sie. Starlight Express hält sich seit 27 Jahren in Bochum und steht mit über 13 Millionen Besuchern im Guiness Buch der Rekorde. Vielleicht ist das rasante Musical ein actionreicher Kompromiss für alle weniger Begeisterten? Ein Überzeugungsversuch. 

Die Geschichte von Starlight Express:

Die Dampflok Rusty möchte die Weltmeisterschaft der Züge gewinnen, um damit seine Angebetete, den 1. Klasse-Wagen Pearl, zu beeindrucken. Die Konkurrenz ist jedoch hart, die halbe Zugwelt tritt an: der Rom-Mailand-Express, der immer pünktliche (haha – da hat man sich sehr nah an der Realität angelehnt) ICE aus Deutschland, der französische TGV, der sehr grimmig wirkende Sibirien-Express sowie ein japanischer Vertreter. Herausgefordert werden sie von dem amtierenden Weltmeister, einem Zug im Elvis-Look, sowie Elektra, dem ersten elektrischen Zug.  Um beide scharren sich die Damen… pardon… die Wagons. Der Speisewagen, der Snackwagen, das Raucherabteil und leider auch Pearl. Keiner glaubt daran, dass Rusty gewinnen kann. Auch Pearl sitzt ziemlich zwischen den Schienen als sie sich zwischen der Dampflok und dem beeindruckenen elektrischen Zug als Wettkampfpartner entscheiden soll. „Der eine der hat Kraft, der andere hat Gefühl“ – es ist wie im echten Leben, die Dame kann sich nicht entscheiden. Schließlich geht sie aber doch mit Elektra, die man gerne auch ACDC nennen darf, und Rusty bleibt ohne einen Partner zurück.

In seinem Kummer wendet er sich an „Papa“, eine alte Dampflok, die zu ihren Jugendzeiten ebenfalls Weltmeister war. Papa versucht Rusty zu ermutigen, wieder an sich zu glauben. Doch dieser gibt auf. Um ihm zu zeigen, was Dampf noch drauf hat und dass man nur an sich glauben muss, meldet sich daher Papa für den Wettkampf an. Leider ist sein Partner ein überladener Wagon, der ihm ziemlich viel Kraft kostet. Trotzdem kann er im ersten Rennen den Sieg einholen, gemeinsam mit dem „Elvis-Zug“ qualifiziert er sich damit für das Finale. Im zweiten Rennen überzeugen Elektra und der ICE (letzteres wäre real ja undenkbar). Voller Stolz noch einmal gesiegt zu haben bricht Papa nach dem Rennen zusammen und bittet Rusty das Finale für ihn zu fahren.

Zur gleichen Zeit gibt es einiges an Partnertausch: Pearl fährt nun nicht mehr mit Elektra, sondern mit Elvis. Die dafür ausgetauschte Diner, der Speisewagen, ist am Boden zerstört und T R A U R I G, wie sie buchstabiert. Rusty tritt mit dem Bremswagen an, der im jedoch in Absprache mit Elvis eine Falle stellt und ihn im wahrsten Sinne des Wortes ausbremst. Es kommt zu einer Entgleisung und das Rennen wird abgebrochen. Pearl ist empört als sie erfährt, dass Elvis dahinter steckt und verschwindet. Rusty möchte nun gar nicht mehr antreten, alle sehen die Schuld bei ihm. Doch dann erscheint ihm der Starlight Express, quasi der Gott der Züge, und bedeutet ihm, dass er alles schaffen kann, was er möchte. Rusty kann seinen Augen nicht trauen und ist nun wieder vollen Mutes. Gemeinsam mit dem überladenen Wagon, der den Starlight Express ebenfalls gesehen hat, tritt er nun zu der alles entscheidenden Runde an. Die Kraft des Starligth Express oder sein eigenes Selbstvertrauen lässt ihn gewinnen. Doch statt den Sieg mit den Anderen zu feiern und die Ehrenrunde zu fahren, sucht er Pearl. Die weiß noch nichts von dem Sieg und leidet schrecklich unter Liebeskummer. Sie vermisst Rusty als ihre Lok und sei von Anfang an verliebt gewesen, konnte es sich jedoch erst jetzt eingestehen. Rusty findet sie, es folgt eine kitschige Ballade und die beiden sind wieder ein Gespann. Die unauffällige Dampflok hat also am Ende nicht nur gegen die neumodischen Kraftbolzen gewonnen, sondern auch seinen Wagon zurück erobert. Elvis und Elektra hingegen quälen sich mit Kopfschmerzen von zu viel Öl. Ach… so viel Schnulz trotz so viel Action, schön war es.

Die Crew von Starlight Express
Die Crew von Starlight Express

Überzeugungsversuch gelungen?

Musicals muss man auf zwei Ebenen bewerten: die Geschichte ist nämlich nichts ohne die Inszenierung und die ist bei Starlight Express wirklich beeindruckend. Zwar steht das Musical-Theater seit 1988 mitten im Pot in Bochum, betritt man aber den Saal ist man wirklich beeindruckt. Wir hatten Karten im sogenannten 360°-Parkett, das sind zwei kleine Stuhlinseln ganz vorne, die mit drehbaren Stühlen ausgestattet sind. Man sitzt so direkt an der Bühne, die sich über mehrere Fahrwege erstreckt, und kann sich einmal um die eigene Achse drehen, wenn die Darsteller durch den Raum flitzen. Aufpassen und nicht erschrecken, wenn die Züge auch gerne mal direkt vor einem halten. Zwar sieht man im hinteren, festen Teil des Saales bestimmt genauso gut, das 360°-Parkett war jedoch ein tolles Erlebnis und fühlte sich ganz nah dran an. Unbedingt empfehlenswert.

Zu der tollen Kulisse, die sich durch zusätzliche Strecken ständig ändert, kommen die sehr aufwendigen Kostüme. Kein Zug sieht aus wie der andere, sexy Wagons mit tiefen Ausschnitten bis hin zur Fracht in Form von drei Rappern. Rollschuhe und Schutzbekleidung ist dabei Teil der Kostümierung. Zusammen mit den tollen Stunts auf den Rollschuhen und dem actionreichen Tanzen und Fahren, wurde einem ziemlich viel für die Augen geboten. Zu keinem Zeitpunkt kam Langeweile auf, immer war irgendwo auf der Bühne etwas los.

Einzig die Akustik war zeitweise etwas mittelmäßig. Sicherlich ist alleine Rollschuh Fahren und Singen anstrengend genug. Hinzu kommt, dass nur der Hauptdarsteller Deutscher war, also alle anderen in einer für sie Fremdsprache sangen, was es sicherlich auch nicht einfacher macht. Flitzten die Darsteller auf ihren Rollschuhen durch den Raum waren sie daher zeitweise inhaltlich schlecht zu verstehen. Musicals leben aber nun mal von den Liedern, die die Geschichte erzählen. Zur Geschichte: nun ja Züge… man muss natürlich etwas Fantasie mitbringen, aber letztendlich ging es den Zügen doch auch nicht anders wie uns im echten Leben. Der Transfer und die Message sollten also verständlich sein.

Das Betajungle-Fazit:

Das Besondere von Starlight Express ist sicherlich die Action auf der Bühne, die tollen Stunts auf den Rollschuhen und die beeindruckenden Kostüme. Hat man dann noch super Sitzplätze, von denen aus man alles aus der Nähe verfolgen kann, sollten auch weniger Musical-Begeisterte sich davon faszinieren lassen. Die über 13 Millionen Besucher sind dafür ein guter Beweis und auch die eigenen Kritiker unserer Starlight-Reisegruppe hatten ohne Beihilfe von Alkohol Spaß. Wer also noch nicht Teil der 13 Millionen ist, sollte es sich unbedingt ansehen. Tipp: in den Sommermonaten bietet Starlight Express Gruppentickets ab vier Personen an. Vier Besucher bezahlen dabei zusammen ca. die Hälfte des normalen Preises – es lohnt sich.

So viel zum Überzeugungsversuch. Es wird Zeit Skaten zu üben!

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